Vier tapfere Kämpfer

In Erinnerung an unsere vier neugeborenen Babies, denen leider die Mutter verstorben war.
Zu uns gekommen seid Ihr am 19.07.2008. Keiner von euch sollte die nächsten 24 Stunden überleben. Wir haben alles versucht, Euch zu helfen, aber wir wurden zu spät zu Hilfe geholt. Als wir kamen, um Euch abzuholen, wart Ihr schon fast mit Euren Kräften am Ende. Wir sind heute noch wütend und traurig über die Menschen, die Euch einfach einen Tag ohne jegliche Fürsorge in der Kälte haben liegen lassen und auch Eurer Mutter nicht rechtzeitig geholfen haben.

In loving memory an unsere tapferen Kämpfer Muck, Sternchen, Flecki und Frosch.
Wir haben mit euch gekämpft, aber konnten euch nicht mehr helfen.
Ihr habt nicht viel Liebe hier erfahren dürfen...
Wir hoffen, daß es euch nun besser geht.
Wir werden euch nie vergessen.
Es ist kalt und dunkel,
sehr sehr kalt,
von oben prasselt der Regen auf den Holzverschlag –
manchmal kommen die Tropfen durch, es ist nicht richtig dicht.
Wir sind so klein, seit gestern schon ist unsere Mama tot.
Wir haben nichts zu fressen, auf dem Boden liegen Küchenabfälle.
Wir liegen hier und lagen hier auch schon gestern.
Wo ist Mama? Es ist kalt, es ist so kalt.

Plötzlich geht die Luke auf. Es kommt Licht rein, aber auch Wind und Regen.
Es ist immer noch kalt. Aber nun gibt uns jemand zu trinken.
Es ist nicht wie bei Mama, aber es tut gut.
Wir haben so lange nichts zu essen gehabt.
Es wird wärmer.
Wir bekommen immer wieder Milch; wir wollen sie nehmen, aber wir sind zu schwach.
Alleine schon das Schlucken ein Kraftakt, den wir kaum noch fertig bringen.
Nun sind wir im Warmen, aber völlig ausgekühlt.
Was ist das für ein Ort? Es ist so kalt. Warum ist das so?

Plötzlich ist Mama wieder da.
Es wird warm, Mama leckt mich ab, sie gibt mir Milch.
Das ist der Moment, in dem mein kleines Meerschweinherz aufhört zu schlagen.
Meine drei Geschwister kamen mir nach, Flecki zuletzt.
Wir sind jetzt wieder bei unserer Mama, und die Erinnerung an die Welt schütteln wir ab, wie einen schlechten bösen Traum. Nun geht es uns wieder gut, und wir können zusammen toben und wachsen. Unsere Mama spielt mit uns jeden Tag.
Wir sind jetzt auf der Regenbogenwiese.
Dort gibt es immer Löwenzahn und es ist schön warm.
Mama sagt manchmal zu uns, es wäre ihr nicht immer so schlecht gegangen auf der Menschenwelt wie in der letzten Zeit. Deshalb sollten wir auch nicht denken, alle Tiere würden dort so unwillkommen sein und so schlecht behandelt wie es bei uns der Fall war.

Manchmal glauben wir das sogar – denn ab und zu kommt ein Meerschweinchen über die Regenbogenbrücke und seine Augen leuchten vor Stolz und Freude, wenn es von seinem Leben auf der Menschenwelt erzählt. Manchmal schicken diese Schweinchen auch Regenbogen an ihre Menschen; damit sie sie nicht vergessen, sagen sie.

Wir haben zwar niemanden, dem wir einen Regenbogen schicken können – außer vielleicht euch, die ihr diese Geschichte lest...